Peter Niehenke, Freiburg/Germany

 

Nackt-Aktion der 'Bürgerinitiative Wald-FKK'
in Berlin am 14. August 2001


Die Berichterstattung in den Medien

A. Die Presse

31. 7. 2001

"Nacktlaufen ist ein Bürgerrecht": BERLINER ZEITUNG mit einem Bericht über den Nacktläufer

31. 7. 2001

dpa-Meldung über den Nacktläufer und die Berlin-Aktion

19. 8. 2001

Ganz nackt! Flitzer machen Toleranztest in Berlin (Berliner Kurier)

18./19. 8. 2001

"Trotzkopf aus Zwangsburg": Süddeutsche Zeitung (Berliner Ausgabe)

B. Fernsehen

BLITZ (SAT1) vom 21. August 2001 - Mit Sicherheit - weltoffen? :-))

TAFF (PRO7) vom 20. August 2001
Ob die Redaktion von TAFF wohl katholisch ist? (Es ist der einzige Sender, der diese schwarzen Streifen verwendet.)

"Wa(h)re Liebe" (VOX) vom 30. August 2001

C. Radio

Interview mit Martin Böttcher in Radio Fritz (Berlin) am 12. August 2001


Weitere Homepages, die unsere Berlinaktion zum Thema haben:
Die Homepage von Kiste


Ein Erlebnisbericht eines Teilnehmers - und ein paar Fotos

Kälte kann, auch wenn man nackt ist, 'genau richtig' sein ...

Noch nie vorher habe ich so etwas gemacht, ohne was an mitten durch die Stadt zu gehen.

Als ich im Zug saß auf der Fahrt nach Berlin, hatte ich eine ganz gespannte Neugier in mir, wie ich mich wohl fühlen würde. Es war eine positive Stimmung, die Fingerspitzen juckten, in meiner Magengegend "prickelte" es und wenn ich mich streckte, ging ein angenehmer Schauer durch mich hindurch vom Kopf bis in die Füße. Ich war mir bewusst, an diesem Tag etwas sehr Wichtiges zu tun, für mich selber, aber auch mit einer grundsätzlichen Bedeutung für unsere Kultur überhaupt.

Dann stieg ich in Berlin aus und erstmal war es kalt und ich brauchte einen Regenschirm. Schon jetzt fror ich in meinem T-Shirt und der kurzen Hose. Andererseits dachte ich mir, jetzt, wo nicht einmal die Sonne scheint und wo es ein eher kühlerer Tag ist, entfällt jeder Grund von aussen, nackt zu sein. Wenn ich gleich nackt bin, dann bin ich es also erkennbar deswegen, weil mir das Nacktsein an sich etwas bedeutet und nicht, weil es z.B. warm ist. Ab diesen Gedanken empfand ich ein Glücklichsein darüber, dass alles in dieser Situation genau richtig war.

Als ich mit den ungefähr zwanzig waldfkk-Freunden am Brandenburger Tor stand und Peter in die Runde fragte: "Ziehen wir uns jetzt direkt hier aus oder drüben am Rand des Tiergartens ?" und wir dann rübergingen zu den Bäumen, stand ich direkt vor meiner inneren Grenze, die ich nun überschreiten wollte. Der Moment ist gekommen, jetzt wird nicht mehr nur gedacht und geredet, jetzt wird der entwickelte Traum ins Leben übersetzt, eine neue Realität geschaffen.

Jede Sekunde wollte ich nun für immer in meinem Kopf behalten. Als ich mich dann auszog, waren meine Gefühle mit mir selbst zunächst etwas überraschend.

Erstmal war die Kälte ganz weg.

So beschäftigt mit der neuen Erfahrung habe ich das Wetter um mich herum ganz vergessen. Darüber hinaus schien ich von innen heraus warm zu werden, durch glückliche Empfindungen von Freiheit, Toleranz und eigener Bedeutsamkeit, die mich allmählich überkamen. Zunächst einmal stellte ich aber auch noch etwas anderes fest: Ich fühlte mich in keinster Weise beschämt oder, dass das irgendwie peinlich sein könnte, was ich hier in aller Öffentlichkeit tue. Durch den Halt der Gruppe war es für mich das Normalste von der Welt, mich so zu kleiden, wie ich es möchte, nämlich in diesem Falle überhaupt nicht. Es gab Momente in den folgenden Stunden, da war es für mich absolut banal und im Grunde keiner Rede wert, mit anderen Fußgängern an der Ampel zu stehen, dann über die Straße zu gehen und meinen Spaziergang fortzusetzen - dass ich nun nackt war und einige andere Menschen bekleidet, wäre mir nicht zwingend bewusst geblieben. Wenn ich nicht in jeder Sekunde erneut daran erinnert worden wäre, durch die anderen Nackten neben mir und vor mir, durch Fernsehkameras und Reaktionen der Passanten. Ich meine nur: aus mir selbst heraus - die Umwelt ausgeblendet - hätte ich mich schnell an das Nacktsein gewöhnt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, nach Stunden eines Spaziergangs mich irgendwann nackt in einem Fenster gespiegelt zu sehen und dann zu denken: "Ach ja, du bist ja nackt." (so wie ich auch teilweise im Laufe des Tages vergesse, ob ich nun ein T-Shirt oder einen Pullover anhabe, bis ich an mir herunterschaue) So normal könnte im Grunde für mich das Nacktsein sein, wäre da nicht die reagierende Umwelt, die mich daran erinnert, dass es gesellschaftlich und mentalitätsgeschichtlich (noch) nicht normal ist.

Dieser grundsätzlich normale, natürliche Charakter des Nacktseins ist eine Seite des komplexen Phänomens nackter Selbsterfahrung. Auf der anderen Seite habe ich Empfindungen gehabt, die "an die Wurzeln gehen", die innerste Bedürfnisse von mir ansprachen.

Da war die Straße Unter den Linden, das Brandenburger Tor schon hinter mir, und ich spüre kleine heransprühende Regentropfen auf meinen nackten Schultern. Ich spüre, wie meine Arme seitlich meinen Körper berühren und ich nur meine Haut spüre, keine Kleidung. Dabei fühlte ich mich total wohl. Ich erfuhr mich selbst - ohne Verkleidung - , Selbsterfahrung in der direktesten Form.

Später im Bus, auf der Stadtrundfahrt, wurde es mir ein zweites Mal so richtig klar. Ich lehnte im Sessel am Fenster, der Arm an die Scheibe gelegt und der Polsterbezug vom Sessel im Rücken, direkt an der Haut. Allein schon das, ich oben ohne im Bus, war eine absolute Premiere. Alles fühlte ich viel unmittelbarer, viel direkter als sonst, nicht durch Kleidung gedämpft. Meine Aufmerksamkeit war gesteigert, meine Empfindungsfähigkeit ebenfalls. Und dann betrachtete ich meinen übrigen Körper, sah meine Oberschenkel, meine Schamhaare und mein Glied, so wie alle es sehen konnten, MICH sehen konnten. Dabei dachte ich mir, ich liebe meinen Körper, ich liebe mich in meinem Körper und ich zeige, was ich liebe. Durch ganz direkte Selbsterfahrung wurde ich mir selbst bewusst, erlangte Selbst-Bewusstsein. In diesem Selbstbewusstsein tat ich nun das, was ich wirklich wollte und nicht das, was andere möglicherweise von mir wollen. Ich wurde ich selbst. Ein wunderbares Gefühl, für das ich sehr dankbar bin, denen, die durch gemeinsame Tat so etwas ermöglicht haben, und mir selbst, dass ich dabei mit-getan habe.
(Hervorhebungen von Peter Niehenke)

treffpunkt.html
Am Brandenburger Tor trafen wir uns.
ausziehen.html
Um die Hemmschwelle zu senken, zogen wir uns nicht direkt am Ort aus, sondern wir gingen über die Strasse und zogen uns dann 'im Schutz der Bäume' aus. Doch 'vor den Blicken der Kameras' boten diese Bäme uns keinen Schutz ...
startpunkt.html
Dann traten wir ins 'Licht der Öffentlichkeit' ...
brandenburgertor.html
... und traten unseren Marsch an, bei dem wir beinahe eine volle Stunde völlig unbehelligt von der Polizei bleiben sollten.
aufgehts.html
Da es ein 'Medienereignis' war, stoppten wir immer wieder, um den Kamera-Teams Gelegenheit für ein paar Gruppenbilder zu geben.
diegruppe.html
Die Gruppe hatte eine beachtliche Größe
unterdenlinden.html
Und wir flanierten 'Unter den Linden' ...
unterdenlinden2.html
... mit der größten Selbstverständlichkeit
unterdenlindenvonvorn.html
Klaudia und Peter als 'Front-Schweine' :-)
staunendepassanten.html
Die Passanten staunten
arschfilmen.html
Kameramänner gingen in die Knie, weil sie Ärsche filmen wollten! (Siehe die Videoclips)
citytourbus.html
Für die Touristen waren wir offensichtlich eine willkommene (zusätzliche) Attraktion.
fotosausbus.html
Die Fotos, die von uns geschossen wurden, dürften ungezählt sein - und in vielen Fotoalben werden wir jetzt vertreten sein.
kindsiehtlauterbaeren.html
Ein kleines Kind erregte das Interesse von SAT1 (siehe Bericht in BLITZ): "Ein Bär, Mama! Und noch ein Bär!"
zwischenstoppinterview.html
Zwischendurch gab es immer wieder Inteviews
ankunftamendpunkt.html
Nach etwa einer Stunde baten die Medienvertreter uns um eine Gruppenbild auf einer schönen großen Treppe ...
kurzvorher.html
... doch dazu sollte es nicht mehr kommen:
grossaufgebot.html
Ein Großaufgebot der Polizei bestimmte von nun an das Geschehen.
einsatzwagen.html
Sie waren mit mehreren Einsatzwagen, darunter zwei sog. 'Wannen', angerückt ...
securityman.html
Da konnte uns auch unserer 'Security-Man', Sebastian, nicht helfen (in seinem Auto hatten wir unsere Kleider verstaut, und er begleitete uns die ganze Fahrt, damit wir notfalls Zugriff auf Kleider etc. haben - wie sich zeigte, was das leider notwendig, denn Berlin ....
polizeipassantenmedien.html
... ist eben wohl doch auch nur ein 'Provinznest'
verhoer.html
... wie sich bei einem 'Gespräch' von Klaudia und Peter mit einem Polizeibeamten herausstellte. Das einzige Argument, dass er hatte (als man ihm vorhielt, dass er mit seiner Forderung, wir müssten uns bekleiden, nicht die Meinung der Bevölkerung vertritt, was er sogar zugab): "Wir (sprich: die Polizei) sehen das nunmal so!"
provinznestberlin.html
.. und so verkündete Peter den Anwesenden die Drohung der Polizei


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