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Re: : Richter hält Po für sekundäres Geschlechtsmerkmal -- Peter | |||||
| Beitrag von Ingo Ffm ® , Dec 09,2001,06:26 | Antworten | nach oben | Forum | ||
So scheint Dr. Schleef zu denken. Anders kann man sich dieses Urteil "im Namen des Volkes" nicht erklären. Ein großer Teil der Bevölkerung (Wie groß? Nun, das ist einfach: da Richter Dr. Schleef ja das Volk ist, 100%.) stört sich nämlich am Anblick nackter Menschen. Jawohl, nackter Menschen. Das sind die, wo man "das da vorne" sieht, und "das, was da noch dran hängt". Und, wichtig!, "hinten ist ja auch noch was" - nämlich ein sekundäres Geschlechtsmerkmal. Wie; wusstet Ihr nicht!? Ihr dachtet immer, Geschlechtsmerkmale wären zum Beispiel "Schaft" und "Säckchen", nicht aber "das hinten"? Weil "das hinten" ja eigentlich nur ein Merkmal ist, das aber mit Geschlecht nicht wirklich viel zu tun hat (auch wenn es mitunter zu Geschlechtsverkehr benutzt wird)?
Tjaha, glaubt Ihr. Wir, die wir uns am 071201 um 1015 im Saal V des Freiburger Amtsgerichts versammelt hatten in der Erwartung eines Urteils darüber, wie blickdicht eine Sacksocke sein muss, wurden von Dr. "doch wohl hoffentlich nicht rer. nat.!?" Schleef eines besseren belehrt. Und zwar nicht nur in dieser Sache. Nein, auch hierin: Wenn die Stadt die Verhüllung des Geschlechtsteils anordnet, ist es egal, ob die Socke 15, 30 oder 27000 "D-E-N" hat - wenn der Hintern zu sehen ist, ist die Auflage nicht erfüllt. Dann ist es auch klar, dass der Beweis eines Sachverständigen-Gutachtens zur "Wahrheitsfindung" nicht benötigt wird (btw, was für eine Wahrheit?). Und dass man bei nicht erschienenem Zeugen wohlgemut sagen kann, dann müsste man ja dem Angeklagten auf jeden Fall glauben.
Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Dieser Prozess war eine Farce. Aber, da der Autor und Regisseur Dr. Sch. augenscheinlich schlecht vorbereitet war, musste mitten in der Vorführung (hier, auch: des Angeklagten) das Skript noch mal grundlegend geändert werden - Wie gut, dass nur der Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Dr. It. (hier für: ihgitt) ein Libretto hatte und die anderen Darsteller ad lib spielen durften. So fiel diese Änderung auch dem geneigten Publikum erst nicht auf. Allerdings dachte Dr. Head (auch: Brain) aufgrund der gebotenen Eile dummerweise nicht gründlich nach, so dass dieses im Bereich der Tragikomödie angesiedelte Machwerk in einer grotesken Vorführung (hier, auch: des Richters selbst) endete.
Wie das? Nun, nach mehrmaligem Nachfragen bei Beklagtem und Zeugen musste es auch der dicksten Kartoffel auffallen, dass die zum Ausgehen getragenen erst dünneren, dann dickeren Damensocken nicht nur um "das" gewickelt worden waren, sondern dass "alles in der Socke drin war". Upps, da haben wir aber nicht mit gerechnet. Da musste jetzt aber schnell irgendetwas her, damit nach dieser überraschenden Wende das restliche Stück doch noch dem geschriebenen Ende angeglichen werden konnte. So forschte er denn nach, ob die Haare "da drüber" auch abgedeckt gewesen seien (Ah, jetzt, ja; ein Geschlechtsmerkmal! (Übrigens, bei einem der Polizisten im Saal war dies nicht der Fall. Oberhalb des Halssaumes des Unterhemds sah man deutlichst Schambehaarung)). Und bei dem dritten bezeugenden Polizisten war dann wohl der neue Plan gereift: Der Arsch muss herhalten (und hier liegt die Betonung nicht auf "der", sondern auf "Arsch". Nur um Verständnis vorzubeugen.). Wie denn der Polizist im Einsatz gehandelt hätte bei jemandem, wo vorne alles zugeklebt (netter Bekleidungseinfall von der Klägerseite nebenbei: "egal, ob da Tesafilm drumgewickelt ist oder ...") sei, aber hinten alles frei? Die von vorne wie von hinten immergleiche Antwort: Bei der Dienststelle nachfragen, ob das unter die genehmigte Kleidung falle und gegebenenfalls laufen lassen. Zwischendurch präsentierte der Beklagte noch einen Stringtanga, der von der Polizei mitte des Jahres vor laufender Fernsehkamera als ordnungsgemäß abgesegnet worden war. Augenfällig die Interesse des Gesetzesauslegers an der Kordel hinten mittig: "... und das verschwindet alles in dem Spalt?". Dja, Mr. Fifties, sonst wär' das kein Stringtanga, ne!?
Wer vorher einen Blick auf das im Textbuch geschriebene Ende hätte werfen können, hätte mit diesen Fingerzeigen vielleicht eine ganz leise Ahnung davon haben können, worauf das alles hinausläuft. Einen Arsch-Upgrade vom einfachen Körperteil zum Geschlechtsmerkmal. Der, wenn Beflaggung des Geschlechtsteils angeordnet ist, gleich mitverhüllt werden muss. Denn der Pimmel fängt vorne an und hört hinten auf - ist ja logisch - oder so ähnlich.
Ah! Noch was, was tatsächlich zur im ursprünglichen Skript behandelten Sache gehört! Herr Dr. Schleef befand auch, dass die 15-DEN-Damensocke, die Peter Niehenke bei dem ersten verhandelten Vorfall getragen hatte und die beschlagnahmt (und beim Doktor-Spiel mit spitzesten Fingern angefasst) wurde, durchsichtig sei. Jaja, gegen's Licht, so sagte er sinngemäß auf Anfrage des Rechtsanwalts. Hm-hm, an Peters Glühhenkel demnach also auch. Denn der aufgeklärte Mensch weiß ja, dass Penisse (dieses Wort würde Herr Doctor übrigens niehgitt in den Mund nehmen (vom Bezeichneten ganz zu schweigen *g*).) bei Verhüllung anfangen zu leuchten ... na ja, beim Improvisieren darf ja ein Patzer mal vorkommen, drücken wir mal (wie hier ja auch Justitia) ein Auge zu.
Einem zweiten Beweis, der nicht im ursprünglichen Text vorgesehen war, wurde übrigens auch nicht Gehör geschenkt: Einer Liste mit 'nem Haufen Leute, die bezeugen können, dass der Großteil der Bevölkerung eben kein Problem mit Nackten hat. Aber Dr. Schleef kannte diese Leute nicht, deshalb konnten sie ihn, das Volk, ja kaum befragt haben, und deshalb war dieser Beweis zur "Wahrheitsfindung" halt nicht geeignet - oder benötigt, wie man auf Amtsdeutsch sagt.
Fazit I:
Das Stück war - trotz der freien Improvisation auf weiten Strecken - immer noch als Tragikomödie bzw. eher Komötragikie einwandfrei erkennbar. Der Spannungsbogen ließ sich zwar beim Publikum und den Mitmitwirkenden gleichermaßen nur langsam an (dafür waren einige nette Gags dabei), aber zum Schluss gab es denn doch noch eine wunderbar orgasmus(Ih! Das O-Wort!)ähnliche Klimax. Der Hauptautordarstellregisseur verstand es vorzüglich, Publikum und Mitmitwirkende glauben zu machen, das Stück würde dem angekündigten Programm folgen und obendrein ein Happy-End haben und schlug dann in den letzten drei Minuten eiskalt mit der Urteilsverkündigung zu und stellte alle Erwartungen auf den Kopf.
Fazit II:
Gesetze sind Teppiche: Auslege-Ware und mit Füßen getreten.
R. Ingo Smutny
P.S.: Die Abkürzungen im dritten Absatz kommen nicht von ungefähr ...
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